Philosophie & Background

Meine Lebensphilosophie hat - vermutlich wie jede andere - sehr viel mit meiner Herkunft, meiner Familie zu tun, ist also affektlogisch (Luc Ciompi) eingefärbt und in Mustern und Bahnungen strukturiert. Wenn man das unternehmerische Denken quasi mit der Muttermilch vererbt bekommt, Leistung vorausgesetzt aber auch gefördert wird, dann fragt man sich zunächst nicht, warum sich so viele Menschen anpassen und unterordnen. Man ist überwiegend mit sich selbst beschäftigt und erst wenn die Zeit der Familiengründung beginnt, die eigene Firma wächst und man Mitarbeiter einstellt, wird man immer mehr mit dem Verhalten der Anderen konfrontiert.

 

Vor allem die Frage nach dem Sinn des Lebens, die Viktor Frankl so sehr beschäftigt hat, hat auch mich fasziniert, denn die Konfrontation mit meiner Familiengeschichte, die von Flucht und Vertreibung geprägt war, ließ ein Heimatgefühl kaum aufkommen und wenn, war es stets mit Traurigkeit und Angst verbunden, die wiederum in meiner Familie tabuisiert war. Aber so wie die Trauer das Gefühl für Abschied ist und danach ein neues Kapitel beginnen kann, so habe ich gelernt, das Geschehene zu akzeptieren und konnte dadurch mein Leben aktiv und nach vorne ausrichten. Gerade diese Wertschätzung und Akzeptanz des Ist-Zustands ist die Basis jedes Vorwärtskommens.

 

Dann waren es die Momente des Zusammenseins, des In-Beziehung-Seins, von denen die ich so viele  intensiv erleben durfte und die mir das Keiros-Moment, eine Art momentanen Flow-Erlebens (Mihaly Czikszentmihalyi) vermittelten. Dieser Zustand der inneren und äußeren Verbundenheit, des mit der Welt-im Reinen-Seins gibt die Richtung vor. Einmal erfahren will man mehr davon. Dazu muss man sich auch von falschen Freunden und falschen Idealen lösen und lernen zur rechten Zeit am rechten Ort sein. "Denn es gibt kein Richtiges im Falschen" (Theodor W. Adorno).

 

So habe ich langsam einen Lebensstil entwickelt, der zu mir passt und mir die Möglichkeiten großer individueller Freiheit bietet. Diese besteht einerseits darin mit Patienten oder Klienten zu arbeiten, die mir sehr viel bedeuten, andererseits das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden und einen Teil meiner Zeit in den Bergen und am Meer zu verbringen. Auch wenn ich mich noch jung fühle, noch viele Jahre arbeitsfähig bin, lebe ich bereits das Leben, das ich auch in 30 Jahren noch leben möchte. Dafür bin ich dankbar.

"Die Theorien vergehen, der Frosch bleibt"  Jean Rostand